Internationale Kompensation: Projektbeschreibungen

Höchste Priorität im Bündnis klimaneutrales Allgäu hat stets die Reduktion der Emissionen. Gerade bei Mitbetrachtung der Vorketten-Emissionen wird die Verminderung ab einem gewissen Wert aber an ihre Grenzen stoßen. Solange also gehandelt und gewirtschaftet wird, werden zumindest (Rest-)Emissionen entstehen. Klimaschutzprojekte aus dem Bereich der „Freiwilligen Kompensation“ stellen hier eine innovative Möglichkeit dar, diese Emissionen auszugleichen und bieten einen echten Mehrwert für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung.

Im Bündnis verwenden wir einen zweigleisigen Ansatz, in dem ein zusätzlicher Schwerpunkt auf regionale Klimaschutzprojekte gelegt wird. Der Nachweis für den Ausgleich der Emissionen wird jedoch über die transparente Löschung von offiziellen CO2-Zertifikaten aus dem freiwilligen, internationalen Kompensationsmarkt erbracht. Der zugrundliegende Mechanismus, wie auch die Regularien für regionale Projekte, erklären wir Ihnen in unseren FAQ unter den Projekten.

Über folgende Projekte findet aktuell die internationale Kompensation statt:

Kochöfen & Wasserfilter in Tanzania

Lauf-Wasser-Kraftwerk in Indien

Sauberes Wasser in Simbabwe

Photovoltaik-Anlagen in Indien

Sauberes Trinkwasser in Sierra Leone

 

FAQ

Was bedeutet freiwillige Kompensation?
Über die freiwillige Kompensation können Emissionen von Unternehmen und Privatleuten ausgeglichen werden. Durch die Zahlungen werden Maßnahmen finanziert, die dazu führen, dass die Treibhausgase an anderer Stelle reduziert werden. Dies kann zum Beispiel durch die Finanzierung der Bereitstellung von effizienten Kochöfen für afrikanische Länder geschehen. Auch Projekte mit Erneuerbaren Energien können unter bestimmten Voraussetzungen als Kompensationsprojekte zertifiziert werden.

 

Wie funktioniert die freiwillige Kompensation?
Grundprinzip der Kompensation ist stets der Gedanke, dass jede vermiedene Emission dem globalen Klima hilft – egal wo sie ihre Wirkung entfaltet. Hier ziehen alle Menschen an einem Strang – egal ob sie nun in Afrika, Indien oder Europa leben. Es gibt nur das eine Klima auf dieser Welt. Wie Sie wissen muss der Kompensation zunächst eine transparente und nachvollziehbare Berechnung der Emissionen zu Grunde liegen, um die exakte Menge an notwendigen Zertifikaten zu bestimmen.

Bei der Kompensation selbst erfolgt die Löschung einer Emissionsminderungsgutschrift (Zertifikat). Ein Zertifikat stellt eine Tonne vermiedenes oder reduziertes CO2eq dar und wird über ein Projekt (z.B. Bau von Trinkwasserbrunnen in Ruanda) generiert. Über komplexe Prüfmechanismen wird sichergestellt, dass das Klimaschutzprojekt, die Qualitätsstandards einhält und dass tatsächlich auch die angegebene Menge CO2 eingespart wird. Alle gültigen Projekte und Zertifikate sind in einem öffentlich sichtbaren Register gelistet und können von dort weiterverkauft werden. Die Löschung der gekauften Zertifikate wird im Register öffentlich dargestellt und stellt sicher, dass die Minderung aus einem Projekt nur ein einziges Mal verwendet wird.

 

Welche Kriterien müssen die Klimaschutzprojekte erfüllen?
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen 3 unterschiedlichen Typen von Projekten:

  • Replace: Substitution von Energieträgern: Fossile Brennstoffe werden durch erneuerbare Energien ersetzt (z.B. Errichtung von Solar- oder Windparks)
  • Reduce: Energieeffizienzsteigerungsmaßnahmen (z.B. effiziente Kochöfen)
  • Capture: CO2-Senkenprojekte: Entzug von CO2 aus der Atmosphäre (z.B. Aufforstungsprojekte)

Gute Projekte bewirken nicht nur Klimaschutz, sondern tragen auch zu einer nachhaltigen Entwicklung an den Projektorten bei. Beispiele dafür sind Schaffung von Arbeitsplätzen, Einführung von Technologien, Verbesserung der Luftqualität uvm. Diese Zusatznutzen werden offiziell als Co-Benefit der Projekte bezeichnet. Damit gewährleistet werden kann, dass die Emissionen auch tatsächlich gemindert werden, müssen die Projekte gewisse Standards erfüllen. Nur durch die Prüfung dieser Standards von einer unabhängigen Stelle erhalten die Zertifikate ihre Gültigkeit.

Wichtige Kriterien der Prüfung sind dabei:

  • Das Projekt muss zusätzlich sein. Das heißt, ohne den Verkauf der Zertifikate und den daraus ergebenen Erlös hätte das Projekt nicht realisiert werden können. Auch sollte keine gesetzliche Verpflichtung dazu bestehen.
  • Die dauerhafte Minderung oder Einsparung der Emissionen, die nicht an einer anderen Stelle aufgrund des Projekts wieder verursacht werden dürfen.
  • Keine Doppelzählung der geminderten Emissionen, die zum Beispiel dann geschieht, wenn ein Zertifikat doppelt verkauft oder wenn diese Minderung mehrfach von verschiedenen Parteien geltend gemacht wird.

 

Nach welchem Standard sind die Projekte zertifiziert?
Die Projekte, die für die Kompensation im Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030 verwendet werden, sind nach Goldstandard oder Verra-Standard zertifiziert. Jeder Bündnispartner darf individuell zwischen mehreren vorgeschlagenen Projekten auswählen.

 

Gibt es auch Kritik an Kompensationsprojekten?
Kritiker wenden vor allem ein, dass Kompensationsmöglichkeiten dazu verleiten, sich weniger um eine klimaschonende Lebensweise zu bemühen, indem man sich ein grünes Gewissen erkauft.
Gerade deshalb hat es für uns die höchste Priorität, dass Emissionen zunächst vermieden und eingespart werden. Wenn die noch verbleibenden und für den Moment unvermeidbaren Emissionen kompensiert werden, ergeben sich daraus für Klima und Menschen zahlreiche Vorteile. Für das globale Klima ist es von entscheidender Bedeutung, ob Regionen mit steigender Bevölkerungszahl und zunehmendem Energiehunger einen Weg in eine nachhaltige Entwicklung einschlagen. Richtig eingesetzte Kompensation hat inzwischen viele wirksame Projekte hervorgebracht und einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung der Bevölkerung geleistet. Zusätzlich hilft sie uns, ein (finanzielles) Bewusstsein für die Konsequenzen des eigenen Handelns zu schaffen.

 

Ist es auch möglich Klimaschutzprojekte aus Deutschland / regionale Projekte für die Kompensation anzuerkennen?
Deutschland hat sich mit dem Kyoto Protocol und inzwischen auch durch das Pariser Klimaabkommen hohe Minderungsziele gesetzt und sich verpflichtet, in allen Sektoren Einsparungen zu erreichen. Werden durch ein deutsches Klimaschutzprojekt Einsparungen erreicht - sei es durch die Neuaufforstung eines Waldes oder den Ausbau Erneuerbarer Energien - wird dieses Projekt im deutschen Treibhausgasinventar erfasst. Würde nun ein Unternehmen die Einsparungen dieses Projekts dazu nutzen, die eigenen Emissionen zu kompensieren und damit eine Klimaneutralität begründen, wäre dies eine Doppelzählung – ein doppelter Klimaschutzerfolg würde suggeriert werden.

Um eine Anrechnung möglich zu machen, müssten in der Bundesklimabilanz entsprechende Aufschläge ausgewiesen werden. Bislang sind jedoch weder in Deutschland, noch in einem anderen EU Land solche Mechanismen vorgesehen. Es ist folglich bislang und auch bis auf weiteres nicht erlaubt, inländische oder innereuropäische Minderungserfolge dem freiwilligen Markt zu überlassen und aus dem nationalen Inventar herauszunehmen.

 

Weitere Informationen:
Ausführliche Informationen zum Thema freiwillige Kompensation erhalten Sie auch unter https://www.dehst.de/DE/Klimaschutzprojekte-Seeverkehr/Freiwillige-Kompensation/freiwillige-kompensation_node.html