Intensiver Erfahrungsaustausch beim Jahrestreffen

69 deutsche Großkonzerne haben im Oktober für Aufsehen gesorgt. Sie forderten von der neuen Regierung eine „Umsetzungsoffensive für Klimaneutralität“. Dass auch viele regionale Unternehmen das Thema Klimaschutz sehr ernst nehmen und konkrete Taten folgen lassen, beweist das Bündnis klimaneutrales Allgäu 2030. Viele der derzeit 88 Bündnispartner, die bis spätestens 2030 klimaneutral werden wollen, sind kleine oder mittelständische Unternehmen. Bei ihrem Jahrestreffen in Wertach tauschten deren Vertreter ihre Erfahrungen aus.

Umstellung von Öl auf Hackschnitzel

Die Brauerei Clemens Härle in Leutkirch zählt zu den Bündnispartnern der ersten Stunde und hatte zuvor schon umfangreiche Maßnahmen umgesetzt, um den CO2-Ausstoß bei der Bierproduktion zu senken. So berichtete Firmenchef Gottfried Härle den Teilnehmern des Jahrestreffens von der Umstellung der betriebseigenen Feuerungsanlage von Öl auf regionale Hackschnitzel. Dadurch werden seit 2008 jährlich circa 320 Tonnen CO2 eingespart. Die etwas längere Amortisationszeit, die mit der Entscheidung zugunsten eines nachwachsenden Energieträgers verbunden war, habe man bewusst in Kauf genommen, so Härle.

PV-Strom und hoher Eigenverbrauch

Aber auch andernorts ist man sich seiner Verantwortung bewusst und handelt entsprechend. Die Firma Topp Textil beispielsweise erzeugt mit Hilfe von mittlerweile vier Photovoltaikanlagen auf den Betriebsgebäuden einen Großteil des benötigten Strom selbst. Thomas Bechteler, Umweltbeauftragter des Duracher Unternehmens, erklärte den Teilnehmern, wie sich der Eigenverbrauch des selbstproduzierten Solastroms steigern lässt und welche Vorteile das für das Unternehmen bringt.

Werksbus und E-Car-Sharing

Christian Keßler, technischer Geschäftsführer der Swoboda Wiggensbach AG, stellte das Werksbus-System des Oberallgäuer Unternehmens vor, das rund 200 Mitarbeiter regelmäßig nutzen. Der Bereich Mitarbeitermobilität ist in vielen Firmen für einen Großteil der CO2-Emissionen verantwortlich. Ein wichtiger Grund dafür, warum man sich auch beim Biohotel Eggensberger mit diesem Thema intensiv beschäftigt hat. So erläuterte Hotel-Inhaber Andreas Eggensberger das E-Car-Sharing-Modell seines Betriebs, das sowohl den Mitarbeitern als auch den Gästen eine klimafreundliche Mobilität ermöglicht.

CO2-Ausstoß gesunken

Insgesamt sei der CO2-Ausstoß der Bündnispartner bereits gesunken, berichtete Maximilian Liebgott von eza!. Zusammen mit seinem Kollegen Robert Immler ist er zuständig für die CO2-Bilanzierung und die Energieberatung, die jeder Bündnis-Teilnehmer erhält. Der geringere Energieverbrauch sei zum Teil coronabedingt, erklärte Liebgott. Aber auch die Bemühungen der Bündnis-Teilnehmer, sparsamer mit Energie umzugehen und verstärkt auf regenerative Energiequellen zu setzen, würden Früchte tragen.

Zwischen Klimakrise und Autoliebe

Einen interessanten Vortrag zum Thema Auto gab es am Ende des Jahrestreffens. Professor Stefan Gössling beschäftigte sich mit dem Thema "Klimakrise und Autoliebe". Der Mobilitätsforscher verwies dabei auf unsere tiefe emotionale Bindung zum Auto. Der Gundstein dafür werde bereits in unserer Kindheit gelegt - mit ein Grund dafür, warum es uns so schwer fällt, auf das klimaschädliche Fortbewegungsmittel zu verzichten.